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Last Action Hero – 11FREUNDE



Als Jude Bel­lingham in der 88. Minute den 2:2‑Ausgleich für den BVB geköpft hatte, kam es im Netz des Frank­furter Tors zum Kampf der Giganten. Erling Haa­land stürmte mit der Kraft einer Natur­ge­walt in den Kasten. Er wollte die Kugel flugs her­aus­fi­schen, um den späten Dort­munder Sieg noch zu ermög­li­chen. Da fuhr ihm Ein­tracht-Kratz­bürste Martin Hin­ter­egger rus­tikal in die Parade, er schubste und gif­tete. Fuck you! Fucking idiot!“, so die Replik des hünen­haften Nor­we­gers, die der Öster­rei­cher gewohnt cool an sich abprallen ließ. End­lich was in der Bun­des­liga los, dachte sich da der inter­es­sierte Betrachter. Denn ehe das Sams­tag­abend­match in der zweiten Hälfte an Fahrt auf­nahm, war der erste Spieltag nach der kurzen Weih­nachts­pause reich­lich ereig­nisarm – von der Nie­der­lage der Bayern abge­sehen – an den Fans, die nun wieder zu Couch­po­ta­toes ver­dammt sind, vor­bei­ge­rauscht.

Es war nicht allein diese Szene, die ver­deut­lichte, dass die 21-jäh­rige BVB-Sturm­spitze ein Glücks­fall für den unter erneuten Geis­ter­spielen dar­benden Fuß­ball­be­trieb ist. Obwohl er beim 3:2‑Last-Minute-Sieg ohne Treffer blieb, kur­belte er das Angriffs­spiel seines Teams nach dem anfäng­li­chen Zwei-Tore-Rück­stand pau­senlos an. Mit einem klugen Steil­pass berei­tete er in der 71. Minute den Anschluss­treffer von Thorgan Hazard vor. Haa­land war ein stän­diger Unru­he­herd, war Moti­vator, Laut­spre­cher und für den Zuschauer daheim auch ein woh­liger Hin­gu­cker. Denn: In jeder Situa­tion war ihm anzu­merken, dass er sich nicht damit zufrieden gibt, dass die Bun­des­liga durch die aktuell Virus­lage wieder in Ödnis ver­sinkt.

Haa­land befrie­digt die Sehn­sucht nach swin­gendem Enter­tain­ment

Wäh­rend der FC Bayern zuletzt nur noch Schlag­zeilen mit Spie­lern lie­ferte, die die Imp­fung ver­wei­gern, die sich mit Corona infi­zieren oder ihre Unzu­frie­den­heit dar­über kundtun, dass sie trotz hoher Infek­ti­ons­lage in eigenen Reihen ver­gat­tert werden, zu Liga­spielen anzu­treten, sorgt der BVB lieber qua seines Schlüs­sel­spie­lers für Auf­sehen auf dem Rasen. Offenbar hat der Jung­profi trotz seine Alters bereits ver­in­ner­licht, dass er in einem Unter­hal­tungs­ge­schäft tätig ist. Denn wo Haa­land ist, ist immer was los. Er setzt nicht nur sport­lich Akzente, er befrie­digt die Sehn­sucht nach swin­gendem Enter­tain­ment auch durch sein freies Chan­gieren zwi­schen kind­li­cher Spiel­freude, puber­tärem Gego­ckel und dem Ein­satz seiner über­bor­denden Physis. 

Nachdem sich seine behände Rück­hol­ak­tion im Frank­furter Kasten nach dem 2:2 aus­ge­zahlt hatte, weil Borussia nur zwei Minuten später durch Mo Dahoud den Sieg­treffer erzielte, gönnte er sich (und uns) in der dritten Minute der Nach­spiel­zeit noch ein beson­deres Bonmot: Um den Erfolg über die Zeit zu bringen, spielte er mit Ein­trachts Doppel-Tor­schützen Rafael Borré an der Eck­fahne Katz und Maus. Der gefrus­tete Frank­furter fuhr ihm ein‑, zwei, dreimal in Füße, ehe der baum­lange Haa­land schließ­lich zu Boden ging. Es dau­erte jedoch nur eine Hun­der­stel, ehe der Nor­weger sich wieder vor dem Gegner auf­ge­baut hatte, ihn wie auf dem Schulhof wütend anbrüllte („Que pasa?!“) und ihn via Droh­ge­bärde und dem augen­zwin­kernden Glo­cken­griff aus der Reserve locken wollte.

Wegen Typen wie ihm lohnt es sich, Woche für Woche den Fern­seher ein­zu­schalten

Für die Aktion sahen am Ende beide die Gelbe Karte. Einige Medien wollten das Schar­mützel in Erman­ge­lung anderer Spiel­tags­high­lights zu einem Skandal hoch­zu­sti­li­sieren. Ach herrje, dabei war das spitz­bü­bi­sche Grinsen doch für jeden deut­lich erkennbar, das in Haa­lands Gesicht auf­blitzte, nachdem ihn seine Mit­spieler aus der Gefah­ren­zone geführt hatten. 

Haa­land ist der Last Action Hero. Wegen Typen wie ihm lohnt es sich auch wei­terhin, Woche für Woche den Fern­seher ein­zu­schalten. Auch für Men­schen, die mit Borussia Dort­mund nur wenig anfangen können. Nicht nur den BVB-Ver­ant­wort­li­chen ver­ur­sacht der Gedanke ver­mut­lich große Magen­schmerzen, wie der Klub zukünftig ohne die sport­li­chen Reize des Stoß­stür­mers aus­kommen soll. Denn Haa­land ist längst mehr als eine Tor­ma­schine. In der zweiten Hälfte gegen die Ein­tracht war er auch der ulti­ma­tive Leit­wolf, wäh­rend Rou­ti­niers wie Mats Hum­mels, Marco Reus oder Emre Can, denen man diese Rolle gemeinhin eher zuschrieben würde, mehr mit sich selbst zu tun hatten.

Doch nicht nur der Borussia würde bei Haa­lands Abgang zu einem inter­na­tio­nalen Spit­zen­verein die unum­strit­tene Schlüs­sels­figur abhanden kommen – auch die Bun­des­liga ver­löre ihre gegen­wärtig größte Attrak­tion.



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