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England, Fußball: Jake Daniels und die Debatte um mehr Toleranz im Fußball – Fußball


DFB-Beauftragter für Vielfalt: “Stehen noch am Anfang”

Christian Rudolph von der Anlaufstelle für sexuelle Vielfalt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) verzeichnet einen gewissen Wandel, auch im deutschen Fußball. Dies hätten auch die gesellschaftlichen Debatten bei der EM gezeigt, Homophobie galt dort in weiten Teilen als geächtet.

Nichtsdestotrotz stehe die Entwicklung noch am Anfang, betone Rudolph. In England habe der Fußball einige Jahre früher damit begonnen, Aufklärungsarbeit gegen Homophobie zu betreiben und den kulturellen Wandel anzustoßen.

Dass sich mit Daniels nun ein aktiver schwuler Fußballer bekannt habe, reiche aber alleine nicht aus, um Normalität zu schaffen. “Es gibt nach wie vor zu wenig Verständnis für die Situation dieser Spieler*innen, sagte Rudolph der Sportschau: “Am Ende geht es darum, das Privatleben mit der Öffentlichkeit regular teilen zu können, so wie Heterosexuelle es auch machen, Beziehungen offen zu leben, etwa auch dass man zusammen auf der Vereinsfeier erscheint.”

Falscher Fokus: Warten auf den ersten schwulen Bundesligaprofi

Die Debatte, ob der deutsche Fußball reif sei für den ersten offen homosexuellen Bundesligafußballer, habe zudem den falschen Fokus, betonte der DFB-Beauftragte: “Zum Fußball gehören nicht nur die Spieler*innen, sondern auch viele andere Aktive: Ehrenamtliche, Präsidium, Schiedsrichter*innen. Der FC Bayern zum Beispiel hat ungefähr 800 Mitarbeiter*innen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort Queere dabei sind, ist sehr groß”, sagte Rudolph. “Wir müssen es schaffen, ein offenes Klima zu schaffen, in dem sich dort auch die Vereine stärker engagieren. Die Lösung wird nicht sein: Wir haben den einen offen schwulen Spieler, und dann wird alles gut.”

Das Wissen, nach einem Coming-out automatisch zu einem Vorkämpfer gemacht zu werden, für eine Sache, die doch eigentlich den gesamten Fußball und auch die Gesellschaft angeht, verstärkt zusätzlich den Druck auf schwule Fußballprofis – und dürfte manche davon abhalten, sich öffentlich zu bekennen. Insgesamt gibt es im Fußball an vielen Schaltstellen weiterhin zu wenig Vielfalt: Schwarze Schiedsrichter*innen etwa und nach wie vor zu wenige Trainerinnen, selbst im Frauenfußball.

PSG-Spieler Gueye soll Solidaritätskampagne boykottiert haben

Auch mit Widerständen gegen den vielbeschworenen Wandel muss weiter gerechnet werden, dies zeigt wohl auch ein aktueller Fall aus der französischen Ligue 1. Dort verpasste Idrissa Gueye von Paris St.Germain am vergangenen Wochenende das Ligaspiel in Montpellier, “aus persönlichen Gründen”, wie es zunächst offiziell hieß.

Der wahre Beweggrund des Spielers, so berichtete es die New York Times und berief sich auf Quellen aus der Mannschaft, sei aber gewesen, dass er nicht bei der ligaweiten Solidaritätskampagne zum International Day gegen Homophobie mitmachen wollte. Alle Teams liefen in Frankreich mit Rückennummern in den Regenbogenfarben auf. Gueye wollte sich mit dieser Botschaft offenbar nicht identifizieren – und blieb lieber draußen.



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