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„Das ist kein Scherz“ – 11FREUNDE



Die Rus­si­sche Föde­ra­tion wird sich um die Euro­pa­meis­ter­schaft 2028 und 2032 bewerben“, ver­kün­dete Rustem Say­manow, Gene­ral­di­rektor des natio­nalen Fuß­ball­ver­bandes RFS und fügte sicher­heits­halber an: Das ist kein Scherz. Wir haben schon viele Wett­kämpfe auf hohem Niveau aus­ge­tragen.“ Putins Krieg in der Ukraine ist für den Funk­tionär offenbar kein Hin­dernis auf dem Weg zu einer mög­li­chen Gast­ge­ber­schaft in Moskau, St. Peters­burg oder Rostow: Es ist noch viel Zeit bis dahin, die Situa­tion wird sich ändern, wir werden alles beob­achten.“

Das einzig Posi­tive in Say­manows Erklä­rung ist wohl die Annahme, dass Putins bru­taler Ver­nich­tungs-Feldzug im Nach­bar­land bis 2028 beendet sein könnte. Aber sonst? Die EM-Bewer­bung einer Kriegs­treiber-Nation, die der­zeit völlig zurecht von allen inter­na­tio­nalen Fuß­ball-Wett­be­werben aus­ge­schlossen ist, macht sprachlos – und lässt böse Vor­ah­nungen auf­kommen, was nicht nur mit Russ­lands böser Gegen­wart, son­dern auch mit der düs­teren His­torie von Fuß­ball-Groß­ver­an­stal­tungen zu tun hat: Weder die FIFA noch die UEFA haben je davor zurück­ge­schreckt, ihre Tur­niere an mör­de­ri­sche Schur­ken­staaten zu ver­geben.

Sie ließen Oppo­si­tio­nelle aus Flug­zeugen werfen

1964 wurde die Euro­pa­meis­ter­schafts-End­runde – damals noch mit vier Teams – im Spa­nien des Gene­rals Fran­cisco Franco aus­ge­tragen. Der rechte Dik­tator durfte rund um das Tur­nier fleißig Hände schüt­teln und in die Kameras der Welt­presse grinsen. Der Gast­geber gewann das Finale mit 2:1 gegen den poli­ti­schen Feind“ Sowjet­union, was Franco für eine pein­liche Pro­pa­ganda-Show nutzte: Als wir für den EM-Titel einen Orden bekamen, kos­tete mich mein Lächeln mehr Kraft als alle Spiele meines Lebens zusammen“, sollte der spa­ni­sche Spiel­ma­cher Luis Suarez sehr viel später ver­raten.

Ganze zwei Jahre nach der EM 1964, am 6. Juli 1966, vergab die FIFA auch die Welt­meis­ter­schaft 1982 nach Spa­nien – obwohl Franco dort noch immer mit bru­talsten Methoden regierte. Am selben Tag wurde übri­gens Argen­ti­nien zum Aus­tra­gungsort der WM 1978 gekürt. Dabei blieb es – auch, nachdem im März 1976 eine ver­bre­che­ri­sche Militär-Junta an die Macht gelangt warfare, die Tau­sende (meist linke) Oppo­si­tio­nelle ver­haften, weg­sperren, fol­tern und aus Flug­zeugen heraus ins offene Meer werfen ließ.

Am 19. Dezember 2008 kam es wäh­rend einer FIFA-Sit­zung in Tokio zu einer wei­teren denk­wür­digen Mehr­fach-Ver­gabe von WM-Tur­nieren: Zum WM-Gast­geber 2018 wählten die Dele­gierten Putins Russ­land – und damit jene dunkle Macht, die sich zu dieser Zeit noch im zweiten Tsche­tsche­nien-Krieg befand, wo rus­si­sche Spe­zi­al­ein­heiten“ unzäh­lige Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit begingen. Eben­falls ins WM-Ver­ga­be­jahr fällt die rus­si­sche Inva­sion Geor­giens. Auch die völ­ker­rechts­wid­rige Anne­xion der ukrai­ni­schen Schwarz­meer-Habinsel Krim und die von Putin insze­nierten rus­si­schen Sepa­ra­tisten-Auf­stände“ in der Ost-Ukraine im Jahr 2014 änderten nichts an der (Nicht-)Haltung des Welt­ver­bandes.

Auf Katar folgt Russ­land?

Eben­falls am 19. Dezember 2008 hatten die nicht immer ganz unbe­stech­li­chen FIFA-Dele­gierten für Katar als WM-Gast­geber 2022 votiert. Dass der öl- und fuel­reiche Wüs­ten­staat am Per­si­schen Golf die afgha­ni­schen Taliban und andere isla­mis­ti­sche Ter­ror­gruppen wie den Isla­mi­schen Staat (IS) spon­sert, kam damals nicht so richtig zur Sprache. Ebenso wenig wie die in Katar übliche mör­de­ri­sche Aus­beu­tung asia­ti­scher Gast­ar­beiter und das rigo­rose Vor­gehen des Emirs gegen poli­tisch Anders­den­kende oder Homo­se­xu­elle.

Eine Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft 2028 oder 2032 in Russ­land – was spricht eigent­lich dagegen? Dachte sich auch der rus­si­sche Ver­bands­prä­si­dent Alex­ander Djukow und ver­kün­dete bereits am Mitt­woch gegen­über der regie­rungs­nahen Nach­wealthy­ten­agentur Tass: Wir schi­cken der UEFA noch heute unsere Unter­lagen.“ Punkten will Djukow (im wahren Leben ein enger Putin-Ver­trauter, Vor­stands­vor­sit­zender des lang­jäh­rigen UEFA-Spon­sors Gaz­promenade und Klub­chef von Zenit St. Peters­burg) mit Nach­hal­tig­keit in Sachen Infra­struktur: Wir sind bereit, unsere Sta­dien, die wir bereits für die Welt­meis­ter­schaft 2018 errichtet haben, für ein wei­teres Fuß­ball-Tur­nier zur Ver­fü­gung zu stellen.“

Auch den vor­läu­figen Aus­schluss rus­si­scher Mann­schaften aus dem inter­na­tio­nalen Ter­min­ka­lender nimmt Djukow betont gelassen: Man sei im Dialog“ mit der FIFA und der UEFA: Wir gehen davon aus, dass die Sus­pen­die­rung unserer Teams kurz­fristig ist. Im Mai gibt es wei­tere Infor­ma­tionen. Wir hoffen, dass sich bis dahin alles etwas nor­ma­li­siert hat.“ Die Satel­li­ten­bilder von den zer­bombten ukrai­ni­schen Städten Mariupol, Charkiw oder Myko­lajiw lassen erheb­lich daran zwei­feln.

Auf ein klares UEFA-State­ment zur rus­si­schen EM-Bewer­bung warfare­tete man im Ver­lauf des Don­ners­tags ver­geb­lich. Statt­dessen gab es Wischi­wa­schi-Erklä­rungen. Das Exe­ku­tiv­ko­mitee des Kon­ti­nen­tal­ver­bandes hat zwei Sit­zungen anbe­raumt: für den 7. April und den 10. Mai.



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