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Auf Herz und Niere geprüft: Der BMW M4 GT3


Motorsport-Magazin.com – Der Artikel wurde in der 79. Ausgabe des Printmagazins von Motorsport-Magazin.com am 01. Juli 2021 veröffentlicht.

“Wenn wir 2022 mit dem neuen BMW M4 GT3 kommen, dann muss der sitzen.” Schon bei seinem Amtsantritt als neuer BMW-Motorsportchef im Oktober 2020 machte Markus Flasch, gleichzeitig Geschäftsführer der BMW M GmbH, klipp und klar, was die Uhr in München geschlagen hat: Das neue Kundensport-Topmodell muss eine Rakete werden!
Im kommenden Jahr löst der BMW M4 GT3 den überschaubar erfolgreichen BMW M6 GT3 ab – einst vom ehemaligen Werkspiloten Timo Scheider mit einem Augenwinkern als “Badewanne” bezeichnet.

Meisterschaften konnten Kundenteams mit dem seit 2016 zum Einsatz kommenden und klobig anmutenden M6 kaum gewinnen. Nur auf der Langstrecke wie bei den beiden Siegen in Spa 2016 und 2018 oder beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring 2020 respektive dem zweiten Platz 2021 konnte sich BMW mit dem in die Jahre gekommenen M6 GT3 feiern.

Ob der BMW M4 ähnlich erfolgreich sein wird wie er aggressiv anmutet? Die schon in der Straßenvariante heiß diskutierte Riesen-Niere bildet das optische Prunkstück an der Front und wurde sogar 1:1 in den Abmaßen übernommen. Darüber hinaus geht der künftige Top-Sportler mehr in die Breite als man es auf Bildern vermuten könnte. Überraschend: Der BMW M4 ist in seinen Dimensionen ähnlich ausladend wie sein GT3-Vorgänger!

Der Radstand ist mit 2.917 mm sogar 16 mm größer als beim M6, ebenso die Fahrzeuglänge: 5.020 mm misst der BMW M4 GT3 und damit 0,045 mm mehr als das Auslaufmodell. In Breite und Fahrzeughöhe (variabel verstellbar) nehmen sich die beiden Rennwagen unterdessen nicht viel. War das nicht stets der große Kritikpunkt am BMW M6 GT3, der sich wegen seiner vermeintlichen Dickschiffigkeit schwer mit engen Kurvenfahrten tat?

So simpel ist es nicht in Sachen Motorsport-Fahrzeuggeometrie, wie uns Jens Klingmann erklärt, der tiefgehend in die Fahrzeugentwicklung beider GT3-Autos eingebunden war. “Der etwas längere Radstand ist kein Problem”, sagt der BMW-Werksfahrer. “Im Gegenteil, der M4 ist sehr agil. Das liegt daran, dass die Vorderachse ein größeres und breiteres Einsatzfenster hat, um tief in Kurven einbremsen zu können.”

Ein Blick ins Innere des GT3-Renners - Foto: BMW M Motorsport

Ein Blick ins Innere des GT3-Renners

Auch hinter vorgehaltener Hand mehren sich die positiven Stimmen aus dem BMW-Lager: mit dem M4 GT3 könnte dem Entwicklungsteam im Gegensatz zur nicht für den Rennsport ausgelegten M6-Basis ein Volltreffer gelungen zu sein. Von den Kinderkrankheiten und Übergewicht zu Beginn der Testphase ist inzwischen keine Rede mehr.

BMW hat mit dem M4 seit dem Rollout im Juli 2020 immerhin rund 14.000 Testkilometer abgespult. Wie wichtig das Projekt im Hause M ist, zeigt allein diese Anekdote: Ende vergangenen Jahres wurde das Testauto selbst bei schwierigsten Witterungsbedingungen samt Schneefall auf dem Lausitzring über die Piste gehetzt. Enorm straffer Zeitplan oder vielleicht doch ein Test für ein mögliches 24h-Schnee-Rennen auf dem Nürburgring?

Ob auf der Nordschleife oder spätestens ab 2022 in der DTM: Der Reihensechszylinder-Twinturbo-Motor mit knapp 3 Litern Hubraum – im Vergleich zum Straßenauto rund 20 cm tiefer verbaut – soll für jegliche Einstufungen der Balance of Performance gewappnet sein.

“590 PS, 700 Newtonmeter – das ist der stärkste Reihensechszylinder-Motor, den BMW seit den Tagen eines BMW M1 Gruppe 5 in einem Rennfahrzeug verbaut hat”, rechnet Ulrich Schulz, Leiter Konstruktion Antrieb BMW-Motorsport, vor. Die Zeiten des 4,4-Liter-Motors mit V8-Power aus dem M6 GT3 sind bald Vergangenheit, und überhaupt wurde kein einziges Bauteil übernommen.

Aggresive Niere! Die Frontansicht des BMW M4 GT3 - Foto: BMW M Motorsport

Aggresive Niere! Die Frontansicht des BMW M4 GT3

Nur beim Getriebe vertraut BMW auf bewährte Rennsportkomponenten. Das von Xtrac entwickelte 6-Gang-Getriebe stammt aus dem BMW M8 GTE und wurde hinsichtlich Laufzeiterhöhung, Kosteneffizienz und Performance für den Einsatz im M4 GT3 weiterentwickelt.

Auch das dürften Kundenteams gern hören, die das Auto zum Nettopreis von 415.000 Euro für den Renneinsatz ab 2022 erstehen können. BMW legt in der Kommunikation großen Wert auf “deutlich geringere Laufzeitkosten und längere Wartungsintervalle für Motor und Getriebe”, die beim komplizierten M6 oftmals ein Kritikpunkt seitens privater Teams waren. Nicht umsonst betonen die Münchner bei so ziemlich jeder Gelegenheit, dass für den Start oder Wechsel zahlreicher Einstellungen kein Laptop nötig sei.

BMW M4 GT3 und BMW M6 GT3 im Vergleich

BMW M4 GT3:

Länge: 5.020mm, Breite: 2.040mm, Höhe: 1.308mm, Radstand: 2.917mm, Motor: Reihensechszylinder-Twinturbo, Hubraum: 2.993cm3, Leistung: bis zu 590 PS, Getriebe: Xtrac 6-Gang-Getriebe, Kupplung: elektro-hydraulisch

BMW M6 GT3:

Länge: 4.975mm, Breite: 2.046mm, Höhe: 1.308mm, Radstand: 2.901mm, Motor: 4,4l V8 Motor Twinturbo, Hubraum: 4.399cm3, Leistung: bis zu 580 PS, Getriebe: Ricardo 6-Gang-Getriebe, Kupplung: hydraulisch

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